Lesenswertes rund um's kochenRegional, saisonal, bio und ein Ausflug nach Straelen

Regional, saisonal, bio und ein Ausflug nach Straelen

Der Bio-Boom hat seine Spuren sichtbar hinterlassen. Dort wo früher überzuckerte, neon-leuchtende Erfrischungsgemische standen, reihen sich nun Kräuter-, Streuobst- und Quitte-Erfrischungsgetränke aneinander – in Bio-Qualität versteht sich. Das Bratwurstsortiment weicht allmählich der stetig zunehmenden Vielfalt an Bio-Tofu-Würsten und selbst in der Knabberabteilung haben sich Dinkelcracker & Co. immer weiter aus ihrem dunklen Eckchen nach vorne ins Rampenlicht gedrängt. Adieu Paprika Chips, Schweineschwarten und Erdnussflips – wie schön war es doch mit euch! Und während Hinz und Kunz bereits komplett auf Bio umgestellt haben und ihrem guten Gewissen mit dem grünen Ökosiegel Genüge tun, haben junge Trendsetter schon längst umgesattelt. Bio ist tot – Regional ist das neue Punk! Das Gefühl gesünder zu konsumieren reicht uns einfach nicht mehr aus.
Zurecht. Denn mit der steigenden Nachfrage wurde die Bio-Produkt-Palette in Supermärkten immer weiter ausgebaut. Inzwischen sind in einem gut sortierten Einzelhandel fast alle erdenklichen Obst- und Gemüsesorten, zu jeder Jahreszeit, in Bio-Qualität erhältlich. Ein kleiner Gruß an unsere Gesundheit, aber was sagt denn Mutter Natur dazu, wenn ich im Winter nach Bio-Kartoffeln aus Isreal greife? Wird der Ursprung der Idee des Umweltschutzes und des nachhaltigen Konsums spätestens bei dieser Investition in die Gesundheit nicht ad absurdum geführt? Ja, sagen viele und raten daher zum regionalen Produkt.

Wieso „regional“ Sinn macht

Wieso macht regional aber überhaupt Sinn? Der offensichtlichste Grund: Durch kurze Transportwege und kurze Lagerdauer kann CO² eingespart werden. Gemüse, das keine lange Lagerzeiten erlebt, schmeckt eindeutig besser und hat nachweislich einiges mehr an Vitaminen und Inhaltsstoffen zu bieten, als jene Produkte, die ihre Inhaltsstoffe irgendwo unterwegs, auf der langen Reise von A nach Ü in die Atmosphäre ausdünsten. Darüber hinaus liegt die Wertschöpfung in der Region und regionale Versorgungsstrukturen können aufrecht gehalten werden.
Bis vor Kurzem allerdings stellte sich der Erwerb regionaler Produkte für normal Berufstätige – wie ich es eine bin zum Beispiel – als kleine Herausforderung dar. Sofern man nicht neben einem Bauernhof mit Hofladen wohnt, dürfte es bereits als mühsam empfunden worden sein überhaupt deutsche Zwiebeln oder gar Kartoffeln erwerben zu dürfen. Doch die heutigen Marktforscher wären nicht so hoch bezahlt, wenn sie den Trendwechsel von Bio zu regional nicht schon längst gewittert hätten.
Immer mehr mit „regional“ ausgezeichnete Produkte finden ihren Weg in die Supermarktregale und Tom und ich haben uns gefragt, was bedeutet regional im modernen Supermarkt-Jargon? Wo fängt „regional“ an – wo hört es auf? Was ist überhaupt eine „Region“? Eine Verwaltungseinheit? Oder eine Gegend, definiert durch Flora und Fauna? Und während unsere Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner sich u. A. darüber den Kopf zerbricht, ließ unsere persönliche Möglichkeit diese Frage zu beantworten nicht lange auf sich warten. Wie es nämlich der Zufall so wollte erhielten wir eine Einladung von REWE Regional selbst auf Tomatenernte zu gehen, bei einem ihrer „Rewe Regional“ Lieferanten.

Unser Besuch bei Landwirt Draek in Straelen

Die Reise führte uns ins knapp 100km entfernte Straelen, wo wir sehr herzlich durch Eugenio Guidoccio, Bereichsleitung Category Managment REWE, Landwirt Matthias Draek und Pia Northoff, Kommunikationsberatung, FAKTOR 3, empfangen wurden. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging’s auch schon ans Eingemachte: Landwirt Draek führte uns über seinen Tomatenhof und erklärte uns seinen Anbau.
Anstelle von Chemie finden dort natürliche Nützlinge ihren Einsatz. Hummeln für die Bestäubung, Schlupfwespen gegen die weißen Fliegen, Gallmücken gegen Blattläuse – stolz erklärt uns Landwirt Draek, dass lediglich zwei Punkte seine Tomaten von Bio-Tomaten unterscheiden würden. Erstens seine Tomaten sind im Gewächshaus angebaut und zweitens sind sie nicht in die Erde gesetzt. Als Erdersatz dient nämlich ein Seramis-ähnliches Granulat, das die Tomatenpflanzen ideal versorgt. Der Pflanzenschutz an sich hingegeben entspräche dem des BIO-Anbaus.
Die Führung ging weiter und Tom und ich warfen uns einen positiv überraschten Blick zu.
In einer weiteren Halle konnten wir Erntehelfern bei der Arbeit beobachten und mussten feststellen von ächzenden Rücken und schmerzenden Gelenken weit und breit keine Sicht. Die Tomaten werden nämlich vorsorglich auf Hüfthöhe gepflanzt, so dass man nur noch nach links als auch rechts greifen muss um die kleinen, prallen, roten Kollegen ernten zu können. Und genau das sollten wir auch noch tun.
Bewaffnet mit scharfen Scheren schlugen wir uns zwischen die Sträucher und ernteten was das Zeug hielt – aber nicht ohne eine kleine Verkostung. Nachdem die erste reife Tomate ihrem aromatisch süßen Saft Platz machte und unseren gesamten Mundraum benetzte war es endgültig um uns geschehen. Das Produkt hatte uns geschmacklich überzeugt. Nun mussten nur noch die letzten Fragen beantwortet werden um uns schließlich auch noch vom Konzept überzeugen zu können.

Was wir aber gerne doch noch wissen würden …

_Wie lange brauchen die Tomaten, nach der Ernte, bis sie im Handel sind?
Die Tomaten werden geerntet, vor Ort verpackt und am nächsten Tag sind sie im Handel erhältlich. Die kurzen Transportwege ermöglichen schnelle Lieferungen. Ein Vorteil von dem nicht nur die Qualität des Produkts profitiert. Seitens des Supermarkts kann die Bestellung sehr viel flexibler und gezielter erfolgen, somit wird teurer und ärgerlicher Überschuss reduziert.
_Sind die Tomaten ganzjährig erhältlich?
Nein. Wie jedes Gemüse oder Obst haben auch Tomaten eine Saison. Dank des Anbaus im Gewächshaus kann diese zwar etwas verlängert werden, ist dennoch begrenzt. Im Mai wird mit der Ernte begonnen, im September läuft die Saison allmählich aus. Ab diesem Zeitpunkt sind entsprechend auch keine regionalen Tomaten im Handel erhältlich.
_Wieviele regionale Produkte werden derzeit angeboten?
Im Moment umfasst das REWE-Regional-Sortiment rund 30 Obst- und Gemüsesorten, Tendenz steigend. Das Angebot wird so gut angenommen, dass darüber nachgedacht wird Produkte anderer Lebensmittelgruppen ins Sortiment mit aufzunehmen.
_Was bedeutet bei REWE „regional“?
Regional bei REWE bedeutet, dass jedes Bundesland eine eigene Region darstellt. Interessant dabei ist, dass das Angebot von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sein kann. Es wird eben nur das angebaut, was für die jeweilige Region auch geeignet ist. So sind in NRW z. B. Tomaten, Zwiebeln und Kartoffeln erhältlich, am Bodensee Äpfel und in Hessen wiederum verschiedene Kohlsorten wie Sellerie, Weißkohl sowie Zucchini und Kohlrabi.
_Die Qualität der Tomaten kommt der von Bioprodukten ja schon sehr nahe, kann man davon ausgehen, dass es sich bei allen REWE Regional Produkten so verhält?
Es wird natürlich versucht bei allen regionalen Produkten auf höchste Qualität zu achten, es ist dennoch noch nicht möglich diese Qualität als „Norm“ für REWE-Regional zu definieren. Allerdings wird daran gearbeitet.

Die Nachwirkungen

Auf dem Weg nach Hause vom satt grünen Straelen zurück in die eng bebaute Großstadt ließen Tom und ich den Tag Revue passieren. Wer tatsächlich beim Einkauf darauf Wert legt zu wissen, dass seine Lebensmittel regional sind, ist bei REWE Regional sicherlich gut aufgehoben. Das Konzept ist ein sehr guter Anfang im allgemeinen Einkaufsverhalten etwas im positiven Sinne zu bewegen, finden wir. Allerdings steckt das Programm noch in Kinderschuhen und wir sind gespannt was Herr Guidoccio als nächstes geplant hat.

Packt’s ein bisschen regionaler an

Tomaten_1
Tomaten_3
Tomaten_4
Tomaten_2

Kommentare (2)

  • Auch bei uns kommt immer mehr der Wunsch auf, regional zu kaufen. Leider haben wir bei den regionalen Produkten in den Supermärkten noch oft das Gefühl, dass die Produkte sich geschmacklich nicht von denen unterscheiden, die von sonst wo auf der Welt kommen. Das finde ich sehr schade, denn ich würde mir wünschen, dass der Vorteil der kurzen Wege in den fortgeschrittenen Reifungsprozess von Obst und Gemüse investiert wird.
    Leider haben wir keinen Hofladen in der Nähe, denn damit haben wir hinsichtlich Geschmack und Qualität der Produkte die besten Erfahrungen gemacht. Von daher hoffen wir, dass dort noch in der näheren Umgebung nachgebessert wird, dann stellen wir unsere Einkaufsgewohnheiten wohl generell um 😉
    Das hätte wenigsten noch den netten Nebeneffekt, dass der Erzeuger für sein Produkt auch noch mehr Geld bekommt!
    Gruß,
    Jens

    • Hi Jens,
      m. E. ist es im Moment auch einfach schwierig „richtig“ einzukaufen. Wie ich in meinem Post beschrieben habe, ist das Angbeot von REWE ein guter Anfang, aber es muss noch viel mehr passieren. Ich glaube, so lange man sich an saisonale Produkte hält und auf Erdbeeren im Winter verzichtet, man man automatisch am wenigsten falsch. Und es muss eben nicht immer die japanische Nashi Birne sein, ganz im Gegenteil, wir haben köstliche eigene Produkte aus deutscher Herstellung.
      Hier ist ein Link zu einem Saison Kalender für heimische Produkte, vielleicht hilft der etwas weiter!
      http://www.regional-saisonal.de/saisonkalender
      Liebe Grüße,
      Anna

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.