Restaurants
Schreibe einen Kommentar

Ausgang in der Südstadt: Fertig – auf der Bonner Strasse

Böse Zungen behaupten ja, dass man in Köln nicht gut essen gehen kann. Ich behaupte dagegen, dass die Dichte an guten Restaurants vielleicht nicht so hoch ist, dafür haben wir aber ein paar aussergewöhnliche Perlen, die eine Stadt erst einmal hervor zaubern muss. Einer dieser Perlen ist das „Fertig“, eine kölsche Kneipe – nicht wie jede andere.

Von außen erscheint das Kölner Traditionslokal auf den ersten Blick wie eine einfache, gutbürgerliche Kneipe. Hat man das Lokal betreten, wird man vom Charme der Nachkriegszeit im Empfang genommen. Rustikale, dunkle Holzstühle, bunte Bleiglasfenster, pflegeleichte, Kunststoff laminierte Tische und eine Holz verkleidete Theke, die aussieht, als hätten an ihr bereits meine Großeltern zu ihren besten Zeiten das ein oder andere frisch gezapfte Kölsch genossen.

image

image1

Bilder von reissdorf.de

In eben diesen Genuss sind wir vergangenen Freitag ebenfalls gekommen. Denn im Fertig gilt: First come, first served – Reservierungen werden nicht entgegen genommen. Dann heißt es schon einmal warten, wenn die Massen in die kleine Gaststätte strömen – was sie eigentlich immer tun – und Reissdorf vom Fass trinken. Drei Kölsch später war ein Tisch für uns frei geworden und schnell kam eine nette, aufmerksame Kellnerin samt der großen Schiefertafel mit den Tagesempfehlungen an unseren Tisch und überließ uns der Qual der Wahl. Speisenkarten gibt es nämlich auch nicht.

Angeboten werden klassische Kölsche Gerichte, mit französischem Touch. So kommt unser vertrautes Himmel un Ääd mit Boudin noir, der französischen Flönz, im Brikteigmantel, hoch wie Aussichtstürme gestapelt auf den Tisch. Der Sauerbraten istklassisch vom Pferd, die Kalbsniere weder süß noch sauer, sondern rosa gebraten mit seidigem Pü, die Kalbszunge so zart, dass sie schon fast auf der Gabel zerfällt, dazu perfekt gegartes Bouillongemüse und eine knackige Kürbiskernvinaigrette. Hier liegt der Standart weit über dem unserer sonst schon fast vergleichsweise biederen Traditionswirtshäuser.

Die Preise der Vorspeisen liegen zwischen 7€ und 10€, die Hauptgerichte fangen bei 14€ an. Bei dem was hier auf die Teller kommt, ist das schon fast als preiswert zu bezeichnen. Inhaber Ingo Fertig steht nämlich mit seinem marokkanischen Koch alleine in der Küche und gemeinsam spannen sie einen außergewöhnlichen Spagat zwischen der gutbürgerlichen deutschen und der fein, aromatischen französischen Küche, den man so, in dieser Qualität leider viel zu selten zu schmecken bekommt.

Gleiches gilt übrigens auch für die Desserts: Die sehr üppige Mousse au chocolat schmeckt intensiv nach reicher, dunkler Schokolade und badet in einer cremigen Vanillesauce. Die Tarte Tatin wird abgerundet mit einem grosszügigem Klacks Crème fraîche – sozusagen die Krönung des von Zucker und Butter durchzogenen Apfelkuchens.

Gaststätte Fertig

Bonner Str. 26
50677 Köln
Tel. 0221 801 73 40 (Keine Reservierungen)
kein Ruhetag, Küche ab 18 Uhr
Keine Kredit- und EC-Karten

p.s. Seit Juli 2014 kocht Ingo Fertig samt Team im L. Fritz im Hopper im Kunibertsviertel. Das Fertig in der Südstadt wird nicht mehr von Herrn Ingo Fertig betrieben, sondern von seiner ehemaligen Partnerin Stephanie Claer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.