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Ein gar nicht mal so schlecht schmeckendes Belgisches Gericht, oder: Gratinierte Chicorée-Schinken-Röllchen, mit Butterkartoffeln

Schon als ich klein war, äußerst klein – noch mit Milchzähnen klein – hatte ich bereits einen äußerst distinguierten Geschmack. So kam mir nichts zwischen die Zähne, das ich nicht kannte. Probiert wurde schon, aber es konnte durchaus passieren, dass das Gericht meiner strengen Beurteilung nicht standhalten konnte.

Selbst heute noch erzählt man mir, dass es ausgerechnet diesem Gericht so widerfahren sei.

Ich muss zwischen drei und vier Jahren alt gewesen sein, als ein befreundetes Paar meiner Eltern, meinen Bruder und mich eines Abends gehütet haben. Meine Eltern waren auf Jück – behaupte ich jetzt einfach mal, es sei ihnen gegönnt. Und wie verantwortungsvolle Freunde das so machen, wurde den Kindern auch etwas gekocht. Wir wurden an den Tisch gesetzt, das Essen wurde serviert und als ein „Belgisches Gericht“ vorgestellt.

Ich stelle mir vor, wie ich da sass: Klein, mit Pony, konnte die Gabel kaum halten, mit einem Lätzchen umgebunden, und fange an, eher ungeschickt, das „Belgische Gericht“ zu essen. Viel kann ich davon nicht gegessen haben, denn die Erzählung besagt, dass ich relativ schnell, schon fast beleidigt, „Das ist ein schlecht schmeckendes Belgisches Gericht!“, geäußert und das Essen eingestellt hätte.

Jahre später ziehe ich mit meinen Eltern nach Belgien. Und eins der ersten Gerichte, das mein kurzes Leben zum zweiten Mal kreuzt, ist ebendieses „Belgische Gericht“, das sich ausgerechnet als gratinierter Chicorée herausstellen sollte. Aus irgendeinem Grund lieben die Belgier dieses bittere Gemüse.

Chicorée, auch bekannt als Salatzichorie, Bleichzichorie oder Brüsseler Endivie, führte bei uns lange Zeit ein Schattendasein. Erst ab dem 18. Jahrhundert und besonders nach der napoleonischen Kontinentalsperre 1806 kamen zunächst, immerhin, die Wurzeln der Pflanze in Mode.

Denn, aus der Not heraus, dienten sie zur Herstellung von Kaffee. Wann letztendlich die Blätter der Pflanze als Gemüse allerdings wiederentdeckt wurden, ist nicht bekannt. Sicher ist aber, dass es Belgier waren. Sie ließen die Wurzeln austreiben, begannen mit der Züchtung des Chicorées und präsentierten seine Blätter 1873 erstmalig als Gemüse. Neben Belgien, nahm auch der Zuspruch in Frankreich stark zu.

Der jährliche pro Kopf Durchschnittsverbrauch, allein in Belgien, liegt bei immerhin sechs Kilo, in Frankreich bei 3,6 Kilogramm. Wir Deutsche dagegen essen, laut der Zahlen des Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinland-Pfalz, gerade einmal rund 300 Gramm pro Jahr. Und zwar als Rohkost. Dabei schmeckt Chicorée erst gedünstet, gebraten, geschmort oder gratiniert besonders gut. Und nebenbei tun wir auch noch unserer Gesundheit etwas Gutes, denn die Bitterstoffe im Chicorée ersetzen den Magenbitter: Sie binden Magensäure und regen die Verdauung an.

Also ihr Lieben, macht nicht den gleichen Fehler wie ich, und wartet allzu lange um dieses herrliche Gemüse zu entdecken. Hier ein einfaches Rezept um euch einzustimmen, mal schauen ob wir den pro Kopf Verbrauch dieses Jahr mal bisschen in die Höhe peitschen können.

Gratinierte Chicorée-Schinken-Röllchen, mit Butterkartoffeln

Chicoree_2

Chicoree

Rezept für 2

3 mittelgroße, knackige Chicorée
6 Scheiben guter, gekochter Schinken
1 großzügiger Löffel Butter
2EL Mehl
300ml Milch
Zitrone
Pfeffer, Salz, frische Muskatnuss
100g geriebener mittelalter Gouda
1EL Semmelbrösel
4 große, festkochende Kartoffeln
3EL frische, fein gehackte, glatte Petersilie
1 Stich Butter

Kartoffeln schälen und in kochendem Salzwasser gar kochen.

Backofen auf Umluft 180°C vorheizen.

Chicorée längs halbieren und den Strunk keilförmig herausschneiden. Die Chicoréehälften mit dem gekochtem Schinken umwickeln und in eine Auflaufform legen.

Butter in einem Topf schmelzen, mit dem Mehl bestäuben und sofort mit einem Schneebesen einrühren. Langsam, unter ständigem Rühren, die Milch angießen. So lange weiter rühren bis die Sauce schön sämig und dick ist. Dabei aufpassen, dass sie nicht anbrennt. Mit Salz, Pfeffer, geriebener Muskatnuss und einem kräftigen Spritzer Zitrone würzen. Wer mag kann auch noch einen Schuss Worcestershire hinzu geben. Béchamel nach Geschmack final abschmecken.

Die Chicoréeröllchen gleichmäßig mit der Béchamel bedecken, anschließend mit dem geriebenen Käse bestreuen. Im vorgeheizten Backofen insgesamt 15 bis 20 Minuten backen. Sobald die Röllchen hell gebräunt sind mit den Semmelbröseln bestreuen und anschließend Goldbraun ausbacken.

In der Zwischenzeit die Kartoffeln abgießen, die Butter samt der Kartoffeln zurück in den Topf geben und schmelzen lassen, mit bisschen Salz würzen und mit der gehackten Petersilie bestreuen.

Chicorée aus dem Ofen nehmen, kurz abkühlen lassen und mit dem Kartoffeln auf großen Tellern anrichten.

Dazu ein eiskaltes Bier reichen!

Lasst es euch schmecken,oder wie die Belgier sagen:
Avoir de bon appétit / Eet smakelijk!

Der Chicorée hat’s angepackt!

3 Kommentare

  1. Das Gericht klingt in der Tat ganz lecker. Ich esse gerne mal Chicoree, auch wenn er durchaus recht bitter sein kann. Aber gegart habe ich mit Chicoree bisher immer recht gute Erfahrungen gemacht. Diese Variante ist ja in der Tat schnell gemacht.
    Sehr schön, ich danke Euch für diese schöne Anregung!

    Gruß,
    Jens

    • Hi Jens,

      freut mich, dass Dir das Rezept gefällt. Alternativ kann man übrigens auch ganz einfachen Lauch nehmen. Schmeckt auch köstlich!
      Lass es Dir schmecken und einen schönen Sonntag noch!

      Anna

  2. Pingback: Wussten Sie schon ... Chicorée

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